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 | Filzfest 2009 |
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18. Filzfest am 23. Mai
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Ein Traum in Filz
Weg vom klassischen Ökokleid hin zu frecher Mode - längst hat sich Filz einen Ruf als tragbare, großstadttaugliche Mode erworben. Vollauf berechtigt, wie die Modenschau auf dem 18. Filzfest beweist. LENZEN - Model Kathi präsentiert eine freche Zipfelmütze, Geburtstagskind Britta schlüpft ins Hochzeitskleid und Katrin zeigt den eleganten Poncho. Wer bisher Filz ausschließlich mit Pantoffel und Ökokleid verband, dürfte nach der 30-minütigen Show auf dem Filzfest in Lenzen seine Meinung geändert haben. Individuell, die Haut schützend und umhüllend, mal schlicht, mal schrill bietet Filz eine kaum fassbare Vielfalt.
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Für Sigrun, Marianne und Irene gehört Filz längst zum Alltag. Das Berliner Damentrio hat Lenzens Filzfest schon mehrfach besucht. "Ein angenehmes Material, unempfindlich gegen Regen, auf Reisen kann man es im Koffer knüllen", sagt Sigrun. Witzig, filigran, eine animierende Modenschau, schwärmt Marianne und greift in ihre große Papiertüte. Hüte und weitere Filzkleidung holt sie hervor. "Wir haben nicht nur zugeschaut, sondern gekauft und werden es in Berlin tragen", kündigt das Trio an und zieht bestens gelaunt zum nächsten Verkaufsstand. Derer gibt es viele. Ob Unikate am Töpferstand, selbstgemachte Liköre oder der fruchtige Brotaufstrich. Sozusagen direkt aus dem Feuer bietet Schmied Michael Schimmel seine Kunstwerke an. Das vierte Mal ist er nach Lenzen gekommen. "Das ist echt schön hier, sehr vielgestaltig, die schöne Mischung macht’s", verrät er seine ganz persönliche Leidenschaft für dieses Fest. Schwungvoll saust sein Hammer auf das glühende Eisen hernieder, Funken stieben. Unter den Schlägen formt sich eine Öse heraus. "Aus Leidenschaft bin ich Schmied geworden, mir macht es Spaß, Eisen zu formen, zu gestalten."
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Ein Päuschen legt Bernd Heitmann ein, gönnt sich im schattigen Kräutergarten eine Zigarre. Der Seiler aus Hamburg bietet Frauen ganz gern mal einen Job auf der Reeperbahn an. Dem verdutzten Blick folgt meist ein herzhaftes Lachen. Wer denkt bei Herbertstraße und Davidwache heutzutage noch ans Reepern. Bernd Heitmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, den jüngeren Generationen die Handwerkskunst der Seilmacher zu vermitteln. Mit seinen ironischen Sprüchen gelingt ihm das bestens und wer das selbst gedrehte Seil in Händen hält, nimmt eine bleibende Erinnerung von der Reeperbahn mit. Kerstin Voitel kommt aus Sachsen und findet es immer wieder abwechslungsreich auf dem Filzfest. "Ich verbinde das mit dem Besuch bei meiner Wittenberger Studienfreundin", verrät sie. Jedes Jahr entdecke sie beim Bummeln Neues und die Modenschau sei immer wieder ein Höhepunkt. Dass in diesem Jahr erstmals zwei kleine Hunde als Model in Filz posierten sei "einfach mal ein Gag" gewesen, aber nicht unbedingt ihr persönlicher Geschmack. Die Idee zu diesem Gag hatten Professorin Barbara Tietze und Designerin Rosa Müller-Dombois. Dem Filz sei sie seit vielen Jahren eng verbunden, verrät Barbara Tietze und eines Tages kam sie auf die Idee, ihren Hunden ein Engelskostüm aus diesem Material zu filzen. "Das war der größte Erfolg meines Lebens", sagt sie heute und schließt in diese Aussage ausdrücklich ihre lange wissenschaftliche Laufbahn mit ein. Dass sie Lenzens Filzfest vor 18 Jahren mit aus der Taufe hob, erwähnt sie eher beiläufig. Damals lud sie Filzer aus Japan, Norwegen und Kanada ein. In drei Jurten fand das erste Fest an der Badeanstalt statt. Viele hätten sie milde belächelt und Barbara Tietze gesteht selbst sie ein, dass die Entwicklung dieses Festes selbst ein wenig überrascht. "Das ist aber ein tolles Gefühl und ich bin richtig stolz darauf", sagt sie. Mittlerweile hat sich das Fest auf dem Schafhof Rademacher etabliert und längst auch diesen. begrenzten Platz förmlich gesprengt. Auf der anderen Straßenseite fügen sich Stände in das Grün des Kräutergartens ein, andere Flächen sind ebenfalls gut ausgenutzt. Das bringt nicht nur eine größere Vielfalt, sondern verteilt die Besucher, deren Zahl am Tagesende mehrere tausend beträgt.
von Hanno Taufenbach (Quelle: „Der Prignitzer“ vom 25. Mai 2009)
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