Der Wolle und dem Filzen verfallen (Quelle: „Der Prignitzer“ vom 17. Mai 2010 Barbara Haak)
LENZEN - Federleichte, extra feine Merinowolle in wunderbaren Farben: Susanne Knitter kann sich kaum zügeln. "Das Angebot ist einfach zu verführerisch", sagt die Seehäuserin, nimmt das moosgrüne Wollvlies in die Händ, vergleicht die Farbe mit dem helleren Grün. Ihre Mutter lacht. "So kenne ich meine Tochter. Auf dem Filzfest in Lenzen deckt sie ihren Bedarf für das ganze Jahr", sagt Ina Hupel. Susanne Knitter ist der Wolle und dem Filzen verfallen, die alljährliche Festivität in Lenzen ihr Eldorado. "Hier finde ich das Material, hier kann ich mir Anregungen holen." Die Seehäuserin erzählt von den Filzkursen, die sie zu Hause in der Altmark schon besucht hat. Das Erlernte soll sich jetzt in eigene Kreationen verwandeln - Stulpen, Schals, Hüte, Taschen.
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Wie viele wunderbare Möglichkeiten es gibt, erfährt, wer auf dem Lenzener Fest von Anbieter zu Anbieter wandelt. An 20 Ständen, so sagt Sibylle Hoppe von Filzverein, der auch in diesem Jahr die Festivität aufwendig und liebevoll ausrichtete, finden sich Kreationen aus gewalkter Wolle. Wem dabei Gedanken an Omas Filzpantoffeln oder an steife Hüte kommen, der irrt gewaltig. Wer es vermag, kann aus Filz fast alles und dabei Hochmodisches zaubern: federleichte Überwürfe, super schicke Kopfbedeckungen, aus Wolle und Seide gewirkte Kleider, textilen Schmuck. Eine solche Könnerin ihres Fachs ist Jana Muchalski. "Ich bin eigentlich vom Typ her niemand, der Messen besucht. Mit Lenzen ist es aber etwas anderes. Hierher komme ich gern. Hier ist eine ganz besondere Atmosphäre", sagt die Schwerinerin. Von Beruf her Kunstgestaltungs- und Ergotherapeutin "ist das Filzen meine große Leidenschaft". Zu welchen auserlesenen Stücken diese große Leidenschaft führt, zeigt sie an ihrem Stand. Angelika Müller aus Wittenberge ist an der Wolle interessiert, die die Schwerinerin anbietet. Wie kann man sie am besten verarbeiten, was trägt die modische Frau? Dass auch Angelika Müller auf Filz in seiner modischen Verarbeitung steht, belegt ihr Hut. Wer an den verschiedenen Ständen noch nicht ins Stauen gekommen ist, der wird spätestens auf der Modenschau des Filzvereins vom Material und seinen Verwendungsmöglichkeiten überzeugt. Sophia, Jennifer, Julia und Franziska stehen diesmal nicht als Funken beim Karneval auf der Bühne, sondern präsentieren Filzmode. Der Regen pladdert, das Publikum hält aus, steht dicht an dicht an der Bühne, klatscht den jungen Damen begeistern zu. Auf der Suche nach dem einen ganz besondern Stück ist Hilde Ebneth. Die Hamburgerin gehört zu jenen, die "schon das allererste Filzfest miterlebten". "Damals, es muss vor 19 Jahren gewesen sein, waren Künstler aus Dänemark und aus anderen nordischen Ländern hier und haben ihre Jurten aufgebaut." Seit jenem Jahr hält Ebneth dem Fest die Treue. "Ich plane meine Termine danach." Das besondere Stück, nach dem sie am Sonnabend auf der Suche war, hatte die Liebhaberin modischer Filzbekleidung vor zwei Jahren hier entdeckt. "Eine Weste aus Seide und Wolle, ganz ungewöhnlich gearbeitet", schwärmt sie. Auf jeden Fall will sie im nächsten Jahr wiederkommen, egal, ob es mit dem besonderen Stück klappt oder nicht. Übrigens gehört auch sie zu jenen, die dem Filz quasi verfallen sind. "Schon vor 15 Jahren habe ich meinen ersten Kurs belegt. Das kann ich jedem nur empfehlen." Eine Empfehlung, die auch der Filzverein gern jenen gibt, die sich mit dem Thema etwas tiefgründiger befassen wollen.
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Filzfest bleibt Besuchermagnet Besucher wollten zünftige Angebote rund um Filzen und altes Handwerk sehen ( Quelle: „Prignitzkurier“ der MAZ vom 17.05.2010)
LENZEN - Dass das Lenzener Filzfest ein Publikumsmagnet ist, zeigte sich am Sonnabend, als trotz Regens die Besucher in Massen zum Schafhof Rademacher strömten. Auch Bürgermeister Christian Steinkopf war sichtlich erfreut, dass die schlechte Witterung so gut wie keine Auswirkungen hatte und das 19. Filzfest als Erfolg in die Analen einging. In erster Linie ist dies auf die gelungene Mischung von Seh- und Kaufangeboten sowie kulturellen Aktivitäten zurückzuführen, die dem 1997 gegründeten Filzverein Lenzen zu verdanken ist. Natürlich war für die gastronomische Betreuung ebenso gut gesorgt worden. Im Mittelpunkt stand erneut der große Kunsthandwerkermarkt mit der Demonstration alter Handwerkstechniken. Zu sehen waren Filzer, ein Sattler, ein Gerber, ein Schmied, ein Korbflechter, ein Seiler, mehrere Töpfer und ein Glasbläser. Frauen zeigten am Spinnrad die Wollfaden-Herstellung, andere die altertümliche Flachsverarbeitung. Von Marc Jaspert (Berlin) war eine „Filz-Kunst-Ausstellung“ zu sehen, von der Künstlerin Ursula Spangenberg (Hamburg) „Individuelle Leuchten“ – Kleinplastiken aus Keramik und Bronze. Neben dem Lenzener Filzverein zeigten 19 Zunftkollegen aus Norddeutschland ihr Können, Höhepunkt war eine Filzmodenschau.
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Im Naturlehrgarten konnten Kinder das Filzen erlernen und dabei Filzbälle und Filzschlangen herstellen. Überall waren bunte „Filzblumen“ zu sehen, am Teichrand zogen fantasievoll gestaltete „Filzfische“ die Blicke auf sich. Wer wollte, konnte am Stand der Naturwacht kleine Holzflöße bauen und mit nach Hause nehmen, nebenan wurden Holzwindmühlen gebastelt. Für die kleinsten Besucher erzählte „Copsi“ Geschichten. Eine rasante Gauklershow mit Jonglieren und Feuerspucken wurde mit viel Beifall bedacht. Schafschur-Demonstrationen sorgten ebenso für Abwechslung wie Führungen durch den Naturlehrgarten. Jagdhornbläserklänge und Folkmusik von „Taktlos“ umrahmten das Filzfest. Fazit der mecklenburgischen Kunst- und Gestaltungstherapeutin Jana Muchalski, die an einem Stand ihre Produkte anbot: „Schön war’s, und gern bin ich auch im nächsten Jahr wieder dabei!“ (Von Wolfram Hennies)
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